Achterbahnfahrt beim Karl Mala Gedenkturnier (Bericht von Heiko Kummerow)

Zum 2.Mal machte ich mich am vergangenen Donnerstag auf den Weg nach Frankfurt-Griesheim, um das o.g. Open zu bestreiten. In diesem Jahr konnte sich der Ausrichter Schachgesellschaft Griesheim von 2001 e.V. über eine Rekordteilnehmerzahl von 329 Spielern freuen, von denen 223 am A-Open (ab DWZ 1500) und 106 am B-Open (bis DWZ 1699) teilnahmen. Im Gegensatz zum Krefelder Pfingst-Open verfügte das Bürgerhaus in Griesheim über eine Klimaanlage, so daß die Außentemperaturen von über 25 Grad im Turniersaal nicht zu spüren waren. Getroffen habe ich bei diesem Turnier unser ehemaliges Vereinsmitglied Frank Eggenstein, den ich in Krefeld auf dieses Turnier aufmerksam gemacht hatte. Frank spielte ein klasse Turnier und gewann neben 33 DWZ-Punkten auch noch einen Geldpreis für den 2.Platz in seiner Ratinggruppe. Ich selbst habe von Frank’s Teilnahme ebenfalls profitiert, denn beim gemeinsamen Pizzaessen am Sonntag machte er mich auf ein Schachbuch aufmerksam (Pump Up Your Rating), das mir innerhalb kürzester Zeit wertvolle Anregungen für mein Schachtraining geliefert hat. Danke!

Achterbahn2Wie mein Turnier verlief, deutet die Überschrift des Artikels an. Steil bergauf ging es zu Beginn des Turniers. Gesetzt war ich übrigens an 21. Runde 1 ein leichter Sieg gegen Thomas Weiland (ELO 1889/SV Oberursel). Mit Schwarz spielte mein Gegner eine minderwertigen Aufbau und stand schnell schlecht. Frühzeitig konnte ich einen Durchbruch im Zentrum starten und den ersten Sieg einfahren. Freitag dann die erste Doppelrunde (Partiebeginn 9.30 und 15.30 Uhr). Wieder dauerte die Partie nur etwa 20 Züge. Als ein Ende der Partie noch nicht absehbar war, stellte mein Gegner Alexander Foermes (ELO 2035 / SK Marburg) eine Qualität ein und gab auf. Mein nächster Gegner war Jürgen Doeserich (ELO 2114 / Schwarze Pumpe Freiburg). Er wählte mit Schwarz die Sizilianische Verteidigung, zeigte jedoch sehr schnell etwas fehlendes Stellungsverständnis. Die Bauernstellung wurde von ihm in eine “Französisch Struktur” transformiert, die aber eindeutig günstig für mich war. Danach stand ich schnell sehr überlegen, aber ich fand nicht den optimalen Weg, um die Partie zu gewinnen. Plötzlich hatte mein Gegner einen kleinen taktischen Trick, der mich ein wenig in die Verteidigung zwang. Nach einigen Zügen konnte ich seine Initiative abwehren und seine Stellung war aufgabereif. Der Traumstart mit 3 aus 3 war perfekt! Doch auf einer Achterbahnfahrt geht es auch abwärts.

In Runde 4 war ich gegen Thomas Feldtmann (ELO 2235 / SK Marburg / siehe Foto unten) leichter Favorit. Doch die Partie wurde für mich zu einem Desaster. Mit Schwarz spielte ich Königsindisch und wir spulten einige Standardzüge herunter. Im 10.Zug wählte mein Gegner einen Bauernvorstoß, der mir spontan etwas verfrüht erschien. Je länger ich nachdachte, umso klarer wurde mir, dass meine Stellung eine Katastrophe war. Nach 45 Minuten zog ich wieder. 10.Züge später gab ich auf. Leider passieren solche Dinge hin und wieder. Man glaubt einen “Theoriezug” zu spielen und ist im Irrtum. Plötzlich steht man auf Verlust, ohne nachgedacht zu haben. Am Nachmittag saß mir schon wieder ein Feldmann gegenüber. Diesmal war es Johannes Feldmann (ELO 2090 / SK 1912 Ludwigshafen). Er wählte mit Schwarz die Französische Verteidigung, die ich mit 3.Sd2 bekämpfte. Nach ca. 15 Zügen wähnte ich mich klar im Vorteil und machte mit g2-g4 einen aggressiven Bauernzug. Von da an spielte mein Gegner jedoch sehr einfallsreiche und taktisch unangenehme Züge, die mich mehr und mehr vor Probleme stellten. Ich verpasste schließlich den einzigen Weg zum Remis und hatte ca. im 20 Zug erneut verloren. Ein fürchterlicher Tag. Getröstet habe ich mich direkt nach der Partie mit einer Portion Tortellini a la Panna. Oder sollte ich es besser Frustessen nennen?

KarlMala2014Sonntag dann die beiden letzten Runden um 9.00 und 15.00 Uhr. Zunächst bekam ich mit Schwarz Arno Feicht (ELO 2053 / SV Butzbach) zugelost. Gegen ihn hatte ich im Vorjahr als Anziehender gewonnen. Mit Weiß entschied er sich für einen harmlosen Aufbau. Die Partie gestalte sich lange Zeit ausgeglichen, bis wir uns der 40.Züge-Marke näherten. Beide mussten wir etwas schneller als zuvor spielen und mir gelang es, ihn mit einem taktischen Trick zu überraschen. Die beste Antwort ließ er aus, so daß ich auf Sieg stand. Kurz nach der Zeitkontrolle gab er auf. Ein schwer erarbeiteter Sieg. In der Schlussrunde war mein Gegner Tim Niklas Bingert (ELO 2120 / SV 1920 Hofheim). Als ich den Vornamen beim Blick auf die Auslosung sah, ahnte ich schon, daß ich einem aufstrebenden Jugendlichen gegenüber sitzen sollte. Und so war es. Der Bursche war 1998 geboren und hatte auch noch 2142 DWZ-Punkte auf dem Buckel. Wir bekamen eine Schottische Partie aufs Brett, in der ich mit einfachen Entwicklungszügen etwas Druck ausüben konnte. Bald schon entschloss sich mein Kontrahent eine Qualität für einen Bauern zugeben, was aber nichts daran änderte, daß ich eine gute Stellung hatte. Mir war klar, daß ein Sieg drin ist, aber nicht leicht zu realisieren sein wird. So ganz nebenbei, ich hatte während der ersten fünf Runden nur 114 Züge gespielt und nicht viele Stunden am Brett verbracht. Nach den 3 Stunden und 40 Minuten am Vormittag sollte die letzte Partie erst nach 4 Stunden und 50 Minuten beendet sein. Ich saß also am letzten Tag länger am Brett, als an den drei Tagen zuvor zusammen und brachte es auf knapp 100 Züge! Aber wie es inzwischen die meisten Leser schon ahnen, ich gewann (die Achterbahn fuhr wieder nach oben).  Mit den erzielten 5 aus 7 musste ich am Ende zufrieden sein. Es reichte für Platz 23. Drei ELO-Punkte verloren und einen DWZ-Punkt gewonnen. Sicherlich wollte ich mehr, da ich meine Wertungszahlen für zu niedrig halte, aber es sollte diesmal (noch) nicht reichen, um eine Sprung in den Ratinglisten zu machen. Immerhin konnte ich endlich das dritte Turnier in diesem Jahr bestreiten, nachdem ich aufgrund einiger Erkrankungen schon das ein oder andere geplante Turnier auslassen musste. Zuletzt stieg ich beim UFO in Herne krankheitsbedingt aus.

Alles in allem war die Reise nach Frankfurt wieder eine schöne Sache, nächstes Jahr bin ich wieder dabei!  —> zu den Ergebnissen

Ich sollte noch erwähnen, daß das nächste Training mit mir am Freitag stattfindet. Vorgenommen habe ich mir, alle Partien aus Frankfurt mit euch zu besprechen. Vom 1. bis zum letzten Zug. Dies dürfte an 2-3 Trainingsabenden machbar sein.

One Comment

  1. Heiko sagt:

    Das Training fiel heute wegen mangelnder Beteiligung aus. Hoffentlich wird es am 15. besser.