Lebendige VM-Runde wartet mit schönen „Bescherungen“ auf!

Nach dem gestrigen Abend im „Schwan“ lässt sich mit Fug und Recht behaupten: So macht schachliches Miteinander Spaß!

Neben den Teilnehmern der 6. Runde waren auch einige Kameraden da, die ihre Skills in Trainings-Spielchen verbessern wollten. Von Anfang an herrschte gute Stimmung. Diese übertrug sich dann auch auf jedes Brett. Die „Underdogs“ 😉 gingen diesmal besonders motiviert zu Werke. In allen Partien zeigten sich schon früh taktische Verwicklungen auf beiden Seiten. Es herrschte ein ständiges „Hauen & Stechen“ hüben wie drüben, woran natürlich auch die Kiebitze ihre helle Freude hatten. Immer wieder standen Spieler auf, um die spannenden Verläufe an den anderen Brettern zu verfolgen und auch (im fairen Rahmen natürlich) humorvoll zu kommentieren.

Die DWZ-Favoriten hatten geschlossen einen sehr harten Stand. So fielen fast alle Entscheidungen erst mit Eintritt ins Endspiel oder mittendrin. Besonders gefreut haben dürfte sich diesmal Florian Bruder (1568), dem tatsächlich das Kunststück gelang, mit schwarz und einer couragierten Leistung den haushoch favorisierten Martin Herud (2020) in die Knie zu zwingen! Im Gegensatz zu Florian musste sich ein anderer Youngster der Routine seines Gegners beugen: Auch dem engen Mehr-Kampf an der Tabellen-Spitze geschuldet, schlug Tom Kleiner (1785) das Remis-Angebot vom stark aufspielenden Roman Pientka (1671) aus und musste letztlich in den Partie-Verlust einwilligen.

Mehr als „wacker“ im Kampf „David gegen Goliath“ schlugen sich unser Ehren-Mitglied Karl Diestelhorst und Peter Schulz. Der mittlerweile 92-jährige Karl (1267) zeigte einmal mehr, dass er noch nicht zum alten Eisen gehört und konnte Top-Favorit Marcus Henn (2031) auch lange Zeit ordentlich „ärgern“, bevor er sich dann aber doch geschlagen geben musste. Der Autor dieser Zeilen (1404) konnte gegen Jan Rolf (1915) mit leicht vorteilhafter Stellung aus der Eröffnung ins Mittelspiel übertreten, musste dann aber infolge eines etwas zu optimistischen Springer-Ausflugs einen Qualitäts-Verlust hinnehmen, kam jedoch im Endspiel nach Figuren-Opfer  nochmal zu einem für Jan zwar etwas unangenehmen, jedoch von diesem zu seinen Gunsten vorbildlich durchgerechneten Königs-Angriff, in dessen weiteren Verlauf ihm mindestens die Mehr-Qualität geblieben wäre bei deutlich besserer Zeit, wodurch Peter zur Aufgabe gezwungen war. Im Duell zweier Mannschafts-Kameraden setzte sich Daniel Schedlbauer (1532) gegen Kai Eberhardt (1417) durch, nachdem seine Dame königsnah auf der schwarzen Grund-Reihe eindringen konnte und hernach deutlich unangenehmerer Material-Verlust leider nicht mehr zu vermeiden gewesen wäre.

Alles in allem verbrachten sämtliche Beteiligten einen sehr launigen Abend, der sich künftig nur zu gerne wiederholen darf!

Durch diese Resultate ist tabellarisch betrachtet ordentlich Bewegung in den Kampf um Platz 1 gekommen. Mit 5 Punkten aus 5 Partien führt nun Marcus das DWZ-relevante Turnier an. Ihm ganz dicht auf den Versen sind Roman (5/6) und Jan (4,5/5). Danach folgen Tom und Martin mit jeweils 4/5.

7 Comments

  1. EbMaster sagt:

    Zunächst mal vielen Dank unserem neuen Webmaster Peater für diesen tollen Bericht. Lange her, dass die Geschehnisse einer VM-Runde so detailliert dargelegt wurden. Auch die Resonanz hier spricht für sich. Chapeau!

    In der Tat hat mich Däniels „Orang Utan“ ganz schön zum Affen gemacht. Um so schöner, dass im Anschluss Zeit für eine ausführliche Analyse und eine zweite Partie zum Thema war, die dann schon besser, wenn auch schlussendlich nicht zu meinen Gunsten verlief.

    Die Stimmung war wirklich gut und lässt für künftige Ereignisse hoffen! Daher allen Beteiligten und denen, die es werden wollen: Weiter so! Nächsten Dienstag dürfte wieder Training sein…

    • Peter Schulz sagt:

      Dank Dir, Eb! 🙂 Endlich spricht mal einer aus, was im Leben wirklich zählt!! ;-))

      Nee, aber mal den bösen Ernst beiseite gelassen: Als langjähriger Web-Redakteur (und nicht minder aufmerksamer Chronist) bemühe ich mich immer um einen ausgewogenen Mix an sachlicher und lebendiger Schilderung von Ereignissen, was mir natürlich umso mehr gelingt, wenn ich persönlich zugegen war oder aber mir qualitativ gute Informationen vorliegen, die sich für den geneigten Leser leicht verdaulich aufbereiten lassen.

  2. Jan sagt:

    Ein gefüllter Trainingsraum hat doch eine besondere Atmosphäre. Mein Spiel selber war wieder nicht zufriedenstellend. Ich hatte mit Schwarz und in Anbetracht eines nominell deutlich schwächeren Gegners einen ruhigeren Spielverlauf angestrebt und auch erreicht. Allerdings fand ich mich nach der Eröffnung in einer zu passiven Stellung wieder, die leider vorteilhaft für meinen Gegner war. Ich versuchte das Spiel nicht zu sehr zu vereinfachen und hatte Glück, als mein Gegner ein Fesselung unterschätze und ich dadurch die Oberhand gewinnen konnte. Dies führte zu Material- und am Ende zu Partiegewinn.
    Bis zum Springerausfall war die Stellung besser für Weiß, daher Kompliment an meinen Gegner und viel Erfolg weiterhin im Turnier.

    • Peter Schulz sagt:

      Danke für Deine faire Beurteilung unserer interessanten Partie und dass ich für Dich tatsächlich ein Gegner war! 🙂

      Nachdem ich bisher in sehr vielen meiner jemals gespielten Partien gegen moderate DWZ-„Giganten“ (jene gegen „Hosch“ Pielnik und Olli M. zwingend ausgenommen!) 😉 bis ins Mittelspiel hinein eine aktive und bisweilen auch leicht vorteilhafte Stellung hatte, hoffe ich darauf, bald mal einem von ihnen ein Bein stellen zu können und mehr als nur ein gelegentliches Remis rauszuholen. Dazu gehört aber auch ganz klar, in der Analyse am Brett nicht „einzuschlafen“ und die Uhr aus den Augen zu verlieren. Bei Zeit-Not (in noch „sicherem“ Abstand zur 40-Züge-Grenze) tendiere ich regelmäßig zu zwar suspense-trächtigen, aber ziemlich risiko-reichen Manövern, anstatt den Empfehlungen diverser Kameraden nachzugeben, einfach nur zweckmäßig mit den dazu geeigneten Figuren hin- und herzuziehen, um möglichst gefahrlos in die Extra-Time zu gelangen.

      @Martin: Dieses Statement ist selbstverständlich nicht als Kampf-Ansage in Richtung unserer bevorstehenden VM-Partie gemeint! 😉

  3. Marcus sagt:

    Von mir auch ein besonderes Lob an Karl!
    Er spielt immer noch starkes Schach, meiner Meinung nach auch deutlich stärker als die im obigen Text angegebene DWZ.

    Ich kam leicht vorteilhaft aus der Eröffnung und ich musste mir Gedanken machen, wie es nun weitergehen sollte.
    Auf der Suche nach Komplikationen wählte ich im frühen Mittelspiel nicht den optimalen Plan, so dass Karl die Chance hatte, leichten Vorteil zu erlangen.
    Stattdessen stoß Karl mit seinem 19. Zug im Zentrum vor, was ich jedoch taktisch widerlegen konnte.

    In der Vereinsmeisterschaft ist weiterhin alles möglich.
    Florian konnte gegen Jan und mich gewinnen, nutze seien Chancen jedoch nicht. während er gegen Martin dann den vollen Punkt für sich verbuchen konnte.

    Die letzten Runden versprechen viel Spannung und es ist weiterhin alles möglich

  4. TK sagt:

    Hat mir gestern Abend auch echt mal wieder Spaß gemacht. Ich glaube ich sollte bei Martins Endspieltraining doch noch etwas besser aufpassen ;). An dieser Stelle nochmal Glückwunsch an Roman – echt stark gespielt.

  5. Heinrich sagt:

    In der Tat hat mich der gestrige Spielabend an alte Zeiten erinnert, sollte sich der eine oder andere doch noch für reales Schach interessieren?
    Aber Scherz beiseite, wenn alle Spielabende so besucht währen hätten wir als Verein wenig Probleme. Vielleciht sollten das ALLE Mitglieder als Ansporn sehen sich doch hier und da etwas Zeit zu nehmen. Man würde dann sogar jemanden zum spielen finden.