VM-Zwischenstand

Von den in der 7. Runde stattgefunden habenden 3 Partien beinhalteten 2 ein Spannungs-Potenzial, welches beim Blick auf die nackten DWZ-Zahlen der Akteure nur äußerst bedingt erahnt werden konnte

Sowohl Florian Bruder (1560) gegen Heinrich Balke (1813), als auch Peter Schulz (1413) gegen Martin Herud (2026) hatten rein formal immerhin den Anzugs-Vorteil auf ihrer Seite. Florian bekam dieser nicht so gut, denn er sah sich früh mit positionellen Schwierigkeiten konfrontiert. Es gelang ihm aber mit fortschreitender Spiel-Dauer, sich aus dieser kreativ hinaus zu manövrieren und seinerseits in Vorteil zu kommen. Den weiteren Verlauf konnte der Autor dieser Zeilen leider nicht weiter verfolgen, da er sich zunächst vollends auf seine Partie konzentrieren und kurz nach dessen Ende leider schon auf den Heim-Weg machen musste, als die beiden noch tief in Stellungs-Analysen vergraben waren. Wie heute zu erfahren war, hat “Flo” es tatsächlich geschafft, unserem 1. Vorsitzenden über die Klinge springen zu lassen und dadurch seinen 3. VM-Erfolg in Serie einzufahren, was ihn tabellarisch betrachtet zur erweiterten Spitzen-Gruppe aufschließen lässt.

Nicht nur angesichts einer von beiden Kontrahenten gewünschten, rechtzeitigen TV-Teilnahme am Championsleague-Spiel Madrid gegen Wolfsburg war allgemein zu erwarten, dass die Partie zwischen DWZ-“Hero” Martin und dem Ultra-Underdog Peter kurz und schmerzlos über die Bühne gehen wird. Doch der Favorit musste mehr schwitzen, als ihm lieb sein durfte. Doch wie so oft, gelang es Peter nicht, gegen einen Top-Spieler mehr aus einer komfortablen Stellung zu machen, wobei seine chronische Zeit-Not dabei eine gewichtige Rolle einnimmt. Sollte er diese “irgendwann” nochmal besser beherrschen können (inkl. regelmäßigeren Trainings-Einheiten), würde er sehr wahrscheinlich erfolgreicher agieren. So blieb ihm statt etwas Zählbarem erneut nur das Kompliment seines Gegners, der ihm in der nachfolgenden Kurz-Analyse bis ins Mittelspiel hinein eine gute Partie-Führung bescheinigte.

Hier nun das aktuelle VM-Ranking der vorderen Plätze:

1. Rolf (5,5/6) –  2. Henn (5/5) – 3. Pientka+Herud (5/6) – 5. Kleiner (4/5) – 6. Bruder (3,5/7)

3 Comments

  1. Peter Schulz sagt:

    Anmerkungen zu meiner Partie gegen Martin:

    Ich agierte agierte als Weißer in der Botvinnik-Variante des slawischen Damen-Gambits frühzeitig offensiv und brachte dabei meine Springer gegen die schwarze Königs-Stellung bedrohlich in Position, so dass Martin gezwungen war, sich zunächst ausschließlich Verteidigungs-Aufgaben zu widmen. Dabei musste er sehr sorgfältig vorgehen, da immer ein Figuren-Einschlag in der Luft lag. In meiner für mich typischen Zeit-Not musste ich dann mehr riskieren, fand dabei aber nicht einen oder 2 notwendige Schlüssel-Züge, sondern in Zeit-Not lediglich pseudo-bedrohliche. Das gab Martin die Gelegenheit, sich zu befreien und seinerseits meinen König anzugreifen. Ich ließ auf der Grundreihe noch extra einen Turm stehen, um auf f7 eindringen zu können und kam dadurch mit der Dame zwar nahe an seinen König heran, hatte dann aber nur noch einen Läufer als druck-verstärkende Infanterie aufzubieten. Doch zu weiteren Möglichkeiten sollte es nicht kommen, da Martin diverse Tempo-Schachs setzen und dabei seine Schwerfiguren optimal aktivieren konnte. Kurz vor dem Tod durch Zeit und Matt stehend, gab ich “ehrenhalber” auf. Bei der anschließenden Kurz-Analyse mit Martin konnten die Kiebitze Tom und Felix noch zeigen, an welcher Stellen man den Druck auf seine Stellung hätte erhöhen können, u. a. mit einem unscheinbaren Bauern-Zug, der seine angegriffene Dame von für ihn im weiteren Verlauf wichtigen Kontroll- und Angriffs-Feldern weggelenkt und ihm deutlich weniger Gegenspiel gelassen hätte. Martin gab anerkennend zu, dass er sich schon äußerst genau verteidigen musste. 2 unforcierte Züge bei wenig Zeit waren dann für ihn wie Frei-Karten für den Zirkus. 😉 Und dann hat er seine Klasse einfach souverän in Szene gesetzt und meinen König erlegt!

    Kleine Duplizität: Eine Runde zuvor, hatte sich Jan ebenso wie Martin etwas zu sehr mit “Schnellschuss”-Aktivitäten am Damen-Flügel beschäftigt, aber letztlich (in einer nerven-kitzligen Mischung aus guter Berechnung und Risiko-Freudigkeit) meinen Königs-Angriff mit figuren-opferndem Einschlag auf f7 aufgrund eines einzigen fehlenden Tempos zum Erliegen gebracht (es drohte Matt). Mit diversen Schach-Geboten konnte er dann aber seine Königs-Stellung absichern und seinen elementaren Material-Vorteil wahren.

    • martin sagt:

      Die bei der gemeinsamen Kurz-Analyse gefundenen Ideen/Varianten sind soweit korrekt und hätten zum Vorteil (etwa 0,5 bis 1 Bauerneinheiten) für Weiß geführt.
      Dramatischer ist da allerdings eine andere verpasste Möglichkeit: In der Stellung, wo Weiß auf f6 zwischen tauschen konnte (nach …cxd4), hätte Peter nach Sxf6! gxf6, Sxf7!! den Springer opfern, und eine Bomben Stellung erreichen können (etwa plus 2,5 Bauerneinheiten), da sich Kxf7 wegen Dxh7+ verbietet.
      Alles in allem tue ich mich in diesem Turnier sehr schwer gegen die “DWZ-Außenseiter”.
      Gegen Peter, Heinrich und Florian hätte es jetzt auch 0 aus 3 statt 2 aus 3 stehen können. Zum Glück muss ich ja nur noch gegen Roman antreten und dann nur noch gegen Spieler der ersten Mannschaft ;).

      • Peter Schulz sagt:

        Nach Nutzung der Analyse-Funktion auf chess24.de kann ich Deine Aussagen bestätigten. Ich habe nicht auf f7 geschlagen, weil der frühzeitig von mir auf e5 postierte Springer ein Hinüberschwenken Deiner Dame auf den Königs-Flügel blocken sollte. Das nach dem Figuren-Tausch auf f6 mögliche Schlagen auf f7 mit dem 2. Springer unter Tempo-Gewinn ist mir echt durchgegangen, obwohl noch gar keine Zeit-Not vorlag und ich fortwährend auf eine günstige Möglichkeit gelauert hatte, um Deine Stellung aufzubrechen. Nachdem Du dann Deine beiden Läufer auf e7 und d8 postiert hattest, war Deine Stellung wieder im Lot. Aber ich ärgere mich nicht wirklich darüber. Mir reichte es, bis zur Zeitnot-Phase eine recht gute und offensive Partie gespielt zu haben!