RSG 1 beim Tabellen-Führer trotz fürstlicher Beköstigung ohne Chance

Wie vorab nicht anders erwartet, unterlag die Erste bereits am vorletzten Sonntag bei den Schach-Freunden Katernberg 4 mit 1,5:6,5.

Der im Essener Norden beheimatete Primus der Verbandsklasse 3 war an fast allen Brettern eine Nummer zu groß für die Truppe um Team-Captain Heinrich Balke. Als erster durfte Peter Schulz an Brett 6 seinem Gegner die Hand zur Gratulation reichen. Nach 15 Zügen hatte er als „Schwarzer Sizilianer“ eine ausgeglichene und befriedigende Mittelspiel-Stellung mit einer von seinem Turm besetzten offenen c-Linie erreicht. Doch anstatt auf dieser bzw. am Damen-Flügel generell aktiv zu werden, ließ er den Weißen mittels f4 zum einzigen Gegenspiel-Zug kommen, der sogleich einen Königsflügel-Angriff einleitete. Zusätzlich befeuerte Peter dieses Vorhaben durch einen nicht gerechtfertigten Bauern-Gegenstoß auf der g-Linie, wodurch seinem Widersacher quasi Tür und Tor für dessen wirksamen Einsatz aller Figuren gegeben wurden, so dass Peter bereits nach 21 Zügen keine sinnvolle Verteidigungs-Möglichkeit mehr sah und niemals zuvor derart früh in einer Turnier-Partie die Segel streichen musste. Die bisherigen VK-Partien des DWZ-Underdogs verliefen hart umkämpft deutlich länger auf Augen-Höhe und seine Gegner mussten wesentlich mehr „Hirn-Schmalz“ investieren, als Spiel-Partner Tim Dette an diesem Nachmittag. Peter tröstete sich aber schnell mit dem einen und auch anderen Stück Kuchen inkl. einer angemessenen Dosis Kaffee. Dieser Service wurden den Mannschaften vom „Bistro Orange“ im Erdgeschoss des Spiel-Ortes in der „Zeche Helene“ äußerst löblicherweise kostenlos zur Verfügung gestellt! 

Unter den Augen des im Raum nebenan mit dem Zweitliga-Team der Gastgeber spielenden Großmeisters, Buch-Autors und Event-Veranstalters Sebastian Siebrecht – der zwischendurch mehrere Male zu einer Stipp-Visite im reichlich mit Spiegeln ausgestatteten Spiel-Saal vorbeischaute – wehrten sich die anderen RSG’ler zwar nach Kräften, mussten aber an den Brettern 2 (Alex), 7 (Daniel) und 8 (Walter) ebenfalls die überlegene Spiel-Kunst der Essener anerkennen. Der erste, der etwas Zählbares für die Recklinghäuser erreichte, war Nicolas Hofmann, der seinem Kontrahenten ein verdientes Remis abtrotzte. Beim Stande von 0,5:4,5 um 17 Uhr spielten noch Felix (1), Heinrich (3) und Roman (4). Alle Partien verliefen äußerst spannend und die Kiebitze wussten kaum, wie sie ihre Aufmerksamkeits-Ressourcen angemessen auf die Geschehnisse verteilen sollten. Roman war mit schwarz permanent in schwer zu kalkulierende Positions-Kämpfe verwickelt. Permanent wurden auf beiden Seiten Figuren hin- und herlaviert, um kleinste Vorteile zu generieren. Letztlich musste Roman die verlustbringende Besetzung der 7. Reihe mit Angriff auf seinen König zulassen. In der nachträglichen Analyse zeigte sich, dass er unmittelbar nach der 1. Zeit-Kontrolle einen Springer hätte gewinnen können. Für das gut geführte Match gebührt ihm dennoch ein großes Kompliment!

Dieses gilt in jedem Fall gleichermaßen für Heinrich, der sich in einem beidseitigen Turm-/Läufer-Endspiel und eigenem Minus-Bauern mit geradezu analytischer Akribie erfolgreich verteidigten konnte. Auf alle versteckten Fallen fand er die korrekten Antworten und zwang seinen forschen wie trickreich agierenden Gegner schließlich in eine absolute Remis-Stellung, die diesem keine weiteren Vorstoß-Aktivitäten mehr gestatteten, ohne sich dem Risiko eines potenziellrn Nachteils ausgesetzt zu sehen. Diese Punkte-Teilung war ein wirklich absolutes Bravour-Stück des Captains!

Eine ebenfalls tolle Leistung zeigte Felix am Spitzen-Brett. Bereits in der Eröffnungs-Phase verfielen er und sein Kontrahent in ein tiefes Analyse-Studium. Nach 12 Zügen waren beide soeben ins Mittel-Spiel vorgedrungen, als beide Uhren tatsächlich nur noch jeweils 20 Minuten Rest-Zeit anzeigten! Jeder der Umherstehenden muss sich verwundert gefragt haben, wie es wohl zu bewerkstelligen sei, trotz des 30-Sekunden-Inkrements noch „lebendig“ die 1. Zeit-Kontrolle zu erreichen.  8 Züge später blieben ihnen noch weniger als 10 Minuten! Doch beide erwiesen sich trotz äußerst komplizierter Stellung als Time-Master. innerhalb der letzten 10 Züge bewegten sich beide Spieler permanent im Range von wenigen Sekunden bis 2 Minuten. Felix kam mit dieser Situation jedoch etwas besser zurecht, da er als Weißer aktives Spiel am Damen-Flügel kreieren konnte. Sein Gegner musste deutlich mehr rechnen, um nicht in Nachteil zu geraten und versuchte, seine aufkeimende Nervosität bestmöglich zu verbergen. Auf den im wahrsten Sinne des Wortes allerletzten Drücker vor der Kontrolle machte er schließlich seinen 40. Zug und atmete erst einmal ganz tief durch! Überraschenderweise verfiel Felix daraufhin in ein ca. 30 minütiges Grübeln darüber, welche Fortsetzung denn nun die beste sei. Für alle Kiebitze schien es so, dass er durch das naheliegenden Herausschlagen des schwarzen Se5 mit seinem Lc3 und erzwungenem dxe5 zwei verbundene Frei-Bauern (b4 + c4) hätte bilden können, die unter kraftvoller Schwerfiguren-Deckung fortan nur schwerlich ohne Verluste am Durchmarsch Richtung Umwandlung hätten gehindert werden können. Felix entschied sich dagegen und behielt dennoch bis kurz vor Schluss eine leicht vorteilhafte Angriffs-Stellung, die jedoch durch eine kleine Ungenauigkeit von ihm wieder entschärft wurde. Da sein Gegenüber selber auch keine Möglichkeiten mehr für eine Vorteils-Generierung sah, willigte er schließlich in das insgesamt verdiente Remis ein. Wegen seines ordentlichen DWZ-Vorsprungs schien ihm das aber sichtlich schwer zu fallen. Felix darf sich daher nach einer tollen Leistung zumindest als moralischer Sieger fühlen!

Somit war der Kampf um ziemlich genau 20 Uhr mit einem überaus klaren Sieg der Katernberger beendet, welche sich dadurch beste Chancen auf den Verbandsliga-Aufstieg bewahrt haben, während die RSG weiterhin ohne jeglichen Punkt auf der Haben-Seite das Tabellen-Ende „ziert“ und damit leider dem bereits vor der Saison befürchteten Abstieg mit Sieben-Meilen-Stiefeln entgegeneilt.

Weiter geht’s für die mental weiterhin unverwüstlich auftretende Truppe bereits am 12.03., wenn man am vorletzten Spieltag daheim die Erst-Vertretung des SC Mülheim erwartet.

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